Samstag, 11. März 2017

"Wort zum Sonntag"-Aktion von Gedanken-Vielfalt

Der perfekte Urlaub

Die liebe Steffi von Gedanken-Vielfalt nötigte bat mich, einen Artikel zu ihrem „Wort zum Sonntag“ zu verfassen, dem ich natürlich wenngleich sehr verspätet, nachkomme. Ihr kennt das ja, ne? Die Zeit vergeht wie im Fluge und ehe man sich's versieht ist die Woche wieder herum. Mäh!
Dieses Mal verfasse ich den Beitrag alleine, da mich keiner mag :-( Thema ist „Urlaub“.

Der perfekte Urlaub...ich finde es schwer, den für mich perfekten Urlaub zu definieren. Mein Erzeuger sorgte dafür, dass ich trotz wenig Geld, was er mir auch noch klaute, viel sehen und erleben konnte. Andererseits sorgte das knappe Budget oft dafür, dass wir Aktivitäten abseits der touristischen Möglichkeiten unternahmen. Das lag mitunter daran, dass mein Erzeuger selbst in seiner Jugend viel unternahm, ebenfalls mit knappen Budget und guten Freunden.
So kam es, dass ich meinen 14. Geburtstag in Marrakech in einem marokk. Bordell und einem auf 2000 Meter Höhe liegenden, kleinen Berberdorf mitten im Hohen Atlas verbrachte, das weder fließend Wasser noch Strom hat, abgesehen von einer Flussquelle in einem kleinen Tal und einem Dorfbusch. An einem anderen Tag genossen wir typisch touristische Besichtigungen der Cîterne Portugaise in El Jadida mit einem Abstecher zu einem marokk. McDonald's. Aber das Allerbeste war die allmorgendliche Aussicht, sobald ich auf die Terasse unseres Ferienhäuschens heraustrat: Atlantisches Ozeanwasser, naturbelassener Sandstrand und ein traumhafter Sonnenaufgang. Ein Freund meines Erzeugers war in ein kleines, wirklich kleines Minidörfchen südlich von El Jadida an der atlantischen Küste ausgewandert, um dort seine Rente zu genießen. Diesen besuchten wir.
Solche Hybrid-Urlaube, wie ich sie gerne nenne, sind für mich der optimale Urlaub. Eine Mischung aus Improvisation und Planung.

Ein weiteres Beispiel ist ein Urlaub in La Carihuela, Andalusien, der 2. Heimat meines Erzeugers. An einem Tag nahmen wir an einer kompletten Führung durch Granada und insbesondere der Alhambra teil, am anderen Tag fuhren wir mit einer einheimischen Buslinie in einem 'Reisebus' nach La Linea, um zu Fuß nach Gibraltar zu latschen und uns ohne den 'Zwang' durch einen Führer oder Ähnlichen das britische Überseegebiet im eigenen Tempo und Reihenfolge anzuschauen. Weder mein Erzeuger noch ich sprachen ausreichend Spanisch oder Englisch oder sonst was, aber mit Händen und Füßen kann man sich sehr gut unterhalten. ZOBs sind leicht zu finden und mit ein bisschen Glück kommt man genau da hin, wo man hin will. Genauso handhabten wir es mit der wunderschönen Stadt Mijas.
Unvergessen sind meine allmorgendlichen Touren auf Mallorca, direkt nach dem Frühstück, in eine einheimische Bodega, um phänomenalen Kartoffelsalat von Mama und eine kleine Flasche San Miguel zu genießen, teilweise ganz alleine. Der Inhaber kannte mich ja ^^ Mit der Straßenbahn fuhr ich durch eine bezaubernde Landschaft ein paar Dörfer weiter, um mir den Kartoffelsalat einzuverleiben. An einem Morgen kam mein Erzeuger völlig entgeistert an und ich saß grinsend und fröhlich futternd in der Bodega, verstand kein Wort und kommunizierte irgendwie mit dem Inhaber, dessen Mutter überglücklich war, dass ich als deutsche Touristin ihren Salat in höchsten Tönen lobte. Selbstverständlich hatte ich der dt. Rezeptionistin unseres Hotels Bescheid gegeben, wo ich war, damit sie es meinem Erzeuger mitteilen konnte.

Heimische Urlaube verliefen nach einem ähnlichen Konzept. Carolinensiel, Hamburg, Berlin, Bad Schandau, Biblis...fast immer besuchten wir mit dem Auto Freunde meines Erzeugers und fast immer mischten wir touristisches Sightseeing mit selbst geplanten Tagestouren. 'Shoppen' in Polen, der berühmte Rosengarten in Pinneberg, der Zoo in Berlin, eine Tour durch Prag, Dresdens Zitadelle und eine HopOn-HopOff-Tour...

Völlig ruhige Tage sind absolut nichts für mich. Ich konnte mich noch nie einfach an den Pool/Strand/... legen, ein Buch lesen und mich sonnen. Einen halben Tag im Hotel/Hotelnähe war okay, abends mal 1-2 Stunden TV schauen, das war's. Wenn ich im Urlaub woanders bin, treibt mich meine Neugierde, nicht einmal die Sprache kann das verhindern. Wenn ich zwei Sachen für mein Leben gelernt hab, dann, dass man eigentlich nicht die Sprache sprechen muss, um sich mit Händen, Füßen und einem Lächeln zu verständigen, und dass der Satz „Wo ein Wille ist, da ist ein Weg“ definitiv zutrifft, wenn man wirklich WILL.

Allerdings verzichte ich mittlerweile lieber auf Flugzeuge, zu denen mich mein Erzeuger, als ich jünger war, zwang. Ich leide seit je her an Höhenangst und er pflanzte mir eine Flugangst dazu, weil er mich zwang, am Fenster zu sitzen, sich über mich lustig machte und mir Angst machte, indem er Sachen sagte wie Siehst du, wie die Tragfläche wackelt? Gleich fällt die ab!“ oder „Hast du das Wackeln gespürt? Das war eine Niete, die herausfiel, gleich stürzen wir ab!“. Er fand es irre lustig, sich über mich lustig zu machen, sobald ich panisch wurde und weinte, und ich war zu jung und zu sehr verängstigt, um rational zu wissen, dass das Quatsch war, was er laberte. Und das sorgte dafür, dass ich neben der Höhen- auch Flugangst hab und lieber mit dem Zug verreise, wobei ich wirklich gern mal wieder nach Spanien möchte...

Kommentare:

  1. Ich hab auch Flugangst, aber du hast ja schon ein paar schöne Orte entdecken können :-)
    Richtig toll, weil ihr ja auch nicht so viel Geld hattet und trotzdem die Möglichkeit dazu hattest. :-)

    Lg

    Steffi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dann können wir uns die Hände reichen ^^ Das stimmt, aber heute würd ich niemals freiwillig ein Flugzeug betreten :-)

      Gewusst wie, ne? Ich denke, das war auch aufgrund dieser "Improvisationen" möglich. Ein Ausflug auf eigene Faust mit ÖPNV zB nach Gibraltar ist um ein Vielfaches günstiger als eine organisierte Touri-Tour.

      Knuddel :-) Kari ♥

      Löschen
  2. Bei aller "Zweifelhaftigkeit" deines Erzeugers - da hast du ja mal ein paar wunderschöne Fleckchen Erde gesehen! <3 =) Ich finde deine Einstellung klasse - die Türkei habe ich vor zwei Jahren fast genauso erobert :D! Aber ich merke auch ernsthaft, dass ich langsam alt und schimmelig werde und mich weniger darauf einlassen kann, Sprachen zu improvisieren und abseits der Pfade zu wandeln... Echt schade. Ich wünsche dir, dass du beizeiten noch mal nach Spanien kommst :)!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Aloha ♥

      Yeah, er spielt trotz der Erwähnung keine nennenswerte Rolle ^^ Macht der Gewohnheit, dass ich mich immer für alles rechtfertige(n musste).

      Danke :3 Und das ist echt schade, weil: Du bist nicht alt ^^! Und du wirst auch nicht schimmelig! :D
      Das Einzige, was ich anders machen würde, wäre, dass ich vorsichtiger wäre :) Obwohl ich immer artig Bescheid gab und relativ öffentlich unterwegs war, waren doch einige Aktionen naiv und blauäugig, vor allem in Anbetracht meines Alters.
      Wenn ich nochmals nach Andalusien fahre, nehm ich dich und deine Einhörner im Handgepäck mit! ;D

      Löschen